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Rorschach Hörsaal

Dr. Anno Schmidt hält eine Vorlesung mit Filmvorführung im Hörsaal der Charité, dabei stellt er auch den Rorschach-Test vor

Rorschach Leinwand 1

Rorschach-Tafel aus einem Lehrfilm des Instituts für suggestive Therapie (die Tafel ist ein frühes Entwurfsexemplar der Tafel III)

Rorschach Tafel

Rorschach-Tafel um 180° gedreht, wie sie auch im Film gezeigt wird (es handelt sich um ein Entwurfsexemplar der Tafel III)

Rorschach Leinwand 2

Im Film gezeigte Rorschach-Tafel, ein frühes Entwurfsexemplar der späteren Tafel V

Rorschach Entwurf

Rorschach-Tafel, die im Film gezeigt wird (ein Entwurfsexemplar der späteren Tafel V)

Rorschachtest Krajewski

Rorschach-Entwurfsversionen aus dem Film (oben spätere Tafel III, unten spätere Tafel II)

Rorschach Tafel 2 Entwurf

Entwurfsexemplar einer Rorschach-Tafel aus dem Film (o.g. Entwurf der späteren Tafel II)

Rorschach Entwürfe Übersicht

Frühe Klecksbilder, die H. Rorschach nicht für die endgültige Version des Tests verwendete

Olga und Hermann Rorschach

Das Ärztepaar Olga und Hermann Rorschach in Münsterlingen (Hochzeitsfoto 1. Mai 1910)

Signatur Rorschach

Der Rorschach-Test ist ein von dem Schweizer Psychiater und Psychoanalytiker Hermann Rorschach (1884 - 1922) entwickeltes projektives psychodiagnostisches Formdeutungsverfahren („Tintenklecks-Test“) zur Untersuchung von Persönlichkeit und Psychopathologie im klinischen und forensischen Bereich, bei dem vom Patienten/Probanden vorhandene Erinnerungsbilder an rezente Empfindungskomplexe geknüpft werden, ausgelöst durch die Vorlage des unstrukturierten Bildmaterials (visuelle Tafeln, auf die sowohl gesunde wie psychisch kranke Menschen spontan reagieren sollen). Der Therapeut wertet die Ergebnisse anhand eines Scoring-Systems aus.

Dr. Hermann Rorschach (* 8. November 1884 in Zürich; † 2. April 1922 in Herisau) war ein Schweizer Psychiater und Psychoanalytiker. Rorschach studierte in erster Linie an der Universität Zürich, aber auch in Neuenburg, Bern und Berlin. Im Jahr 1909 erwarb er das schweizerische Ärztediplom und trat eine Stelle an der thurgauischen psychiatrischen Klinik in Münsterlingen an. Rorschach hatte sich bereits intensiv in die von C. G. Jung (1875–1961) herausgegebenen «Diagnostischen Assoziationsstudien» vertieft. Mit Patienten der Klinik Münsterlingen führte er 1910 Jungs Assoziationsversuche selbst durch. Im Jahr 1912 promovierte Rorschach; er gründete die Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa) mit, wurde ihr Vizepräsident. Ab 1914 war Rorschach Assistenzarzt an der psychiatrischen Klinik Waldau bei Bern, sein wissenschaftliches Interesse galt hier den in ländlichen Gebieten des Kantons Bern verbreiteten Sekten, namentlich der im Bezirk Schwarzenburg heimischen „Waldbruderschaft“. Am 1. November 1915 wurde Rorschach Sekundararzt an der Appenzeller Heil- und Pflegeanstalt Herisau.

Nach der Analyse von 300 Patienten und 100 Probanden als Kontrollpersonen entwickelte Rorschach ein psychodiagnostisches Formdeutungsverfahren („Tintenklecks-Test“). Die ersten «Tintenkleckstafeln» präsentierte Rorschach 1918 den Herisauer Ärzten. Angesichts des mangelnden Verständnisses seitens seiner Zuhörerschaft beschloss Rorschach, zu diesem Thema ein Buch zu verfassen, um eine gewisse akademische Anerkennung zu erlangen. 

Im Jahr 1921 wurde sein Buch unter dem Titel „Psychodiagnostik“ im Verlag von Ernst Bircher veröffentlicht und das Formdeutungsverfahren als „Rorschach-Test“ bekannt. Das Werk wurde in psychiatrischen Kreisen zunächst abgelehnt, später griff die psychoanalytische Schule um Sigmund Freud den «Rorschach-Formdeuteversuch» auf. Endlich konnte die Psyche, so schien es, mit mathematischer Präzision beschrieben werden, der Rorschach-Test sollte quasi ein „Röntgenbild der Seele“ liefern.

Von vielen Seiten bewundert wie auch angegriffen machte der Test ab den 1930er-Jahren Karriere, er wurde zum wichtigsten, manchmal zum einzigen Test in psychiatrischen Kliniken. Der Rorschach-Test wurde in der klinischen Psychologie und in der Psychiatrie eingesetzt, u. a. als Hilfsmittel zur differenzialdiagnostischen Untersuchung bei der Anamneseerhebung bzw. Exploration psychopathologischer Krankheitsbilder. Das Verfahren wurde zur Feststellung der intellektuellen und emotionalen Grundzüge eines Patienten verwendet, ebenso zur Diagnose psychischer Störungen, wie z.B. Schizophrenie oder Depression. Mit dem Rorschach-Test sollen Erinnerungs- und Empfindungsvermögen des Patienten analysiert werden, die sich vorwiegend im Unterbewusstsein verankert haben. Die Formdeutung der Rorschach-Bilder soll Rückschlüsse auf Sehnsüchte, Wünsche, Ängste und damit auch auf die Persönlichkeit der Testperson zulassen.

Beim Formdeutungsverfahren nach Rorschach werden dem Patienten mehrere (meist 10) Tafeln mit speziell aufbereiteten Tintenklecksmustern gezeigt: In der ersten Testphase (der freien Assoziation) soll der Patient spontan sagen, welche Bedeutungen oder Erinnerungen ihm zu dem Bild einfallen, in der zweiten Phase (Befragungsphase) kann der Therapeut versuchen, die Antworten des Patienten durch gezielte Fragen zu beeinflussen. Aufgrund der Angaben zu Form, Farbe und Bewegungseindruck der Bilder werden die Patienten bestimmten psychologischen „Erlebnistypen“ zugeordnet. Ausgehend von C. G. Jungs Typologie unterscheidet Rorschach einen „introversiven“, einen „extratensiven“ und einen dazwischen liegenden „ambiaequalen“ Typus.

Durch die jeweiligen Antworten des Patienten soll der Therapeut Rückschlüsse auf dessen seelischen Zustand ziehen können. Die Rorschach-Methode beruht darauf, spontane Assoziationen mit Hilfe bestimmter Algorithmen in quasi naturwissenschaftlich abgesicherte Urteile zu verwandeln.

Da der Rorschach-Test in populären Medien häufig beschrieben wird, ist die Ansicht weit verbreitet, dass man mit dem Test durch ein „psychologisches Röntgenbild“ schnell eine komplexe Persönlichkeit oder schwere psychische Störungen korrekt erfassen könne, manchmal sogar schon nach Auswertung einer einzelnen Antwort (typische Situation im Psychothriller – ein Verdächtiger sieht das Rot auf Tafel 3 als Blut – schon weiß der Kriminalbeamte, dass er den Serienmörder vor sich hat!). Das ist natürlich „Science-Fiction“, aus Rorschach-Ergebnissen eine rechtliche Folgerung abzuleiten oder zu entscheiden, ob ein vergangenes Ereignis stattgefunden hat, wie z.B. eine Traumatisierung oder ein sexueller Missbrauch, wäre unvereinbar mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Aus heutiger Sicht wird die Aussagekraft des Rorschach-Tests unter Fachleuten angezweifelt, es wird u.a. in Frage gestellt, ob adäquate psychometrische Eigenschaften vorliegen. Ein Problem des Verfahrens stellt die niedrige Auswertungsobjektivität dar, es besteht ein großer Interpretationsspielraum, die Qualität der Auswertung und damit die Qualität der Diagnose hängen damit allein vom Auswerter ab. Atypische Anwendung und Auswertung können zu falschen Schlussfolgerungen führen, mit dem Risiko der Fehlinterpretation von Rorschach-Ergebnissen. Auch die anderen Gütekriterien eines psychologischen Tests (Reliabilität, Validität) fallen für dieses projektive Verfahren weit schlechter aus als für objektive Tests. Der Rorschach-Test genügt daher laut den Fachgesellschaften nicht mehr den gängigen empirischen Kriterien im klinischen und forensischen Bereich. Der – allerdings umstrittene – Psychologe Arthur Jensen formulierte den ätzenden Satz: „Der wissenschaftliche Fortschritt in der klinischen Psychologie lässt sich daran messen, wie schnell und wie gründlich sie den Rorschach los wird!“ Einige Kritiker betrachten den Rorschach-Test als einen pseudowissenschaftlichen, empirisch nicht untermauerten Anachronismus, der auf überkommenen Vorstellungen der Psychoanalyse beruhe, nach der die Diagnose einer psychischen Störung die eigentliche Kunst sei.

In den USA galt der Rorschach-Test lange Zeit als besonders aussagekräftig (u.a. Anwendung bei Gericht, Gebrauch des Rorschachs als Sachverständigenbeweis). Der Psychiater Robert M. Lindner, der mit seiner Fallschilderung eines kriminellen Psychopathen ("Rebel Without A Cause") nebenbei einen Filmtitel inspirierte, erklärte, dass die Erkennung einer „Todesgestalt“ im Rahmen des Rorschach-Tests angeblich Zeichen minder schwerer Depressionen sei und eine Elektroschocktherapie angeraten sein lasse. In den USA ist der Rorschach noch immer ein Test, der häufig mitentscheidet, ob ein Gewaltäter auf freien Fuß kommt, oder wer das Sorgerecht für ein Scheidungskind erhält. In Europa spielt der Test kaum eine Rolle mehr, weder in der Praxis noch in der Ausbildung von Psychiatern oder Psychoanalytikern. Der Rorschach-Test findet höchstens noch Verwendung im Rahmen der Anamnese oder bei Anwendung in Verbindung mit anderen standardisierten Testverfahren im Rahmen einer Testbatterie. In Deutschland findet sich heute keine Universität mehr, an der der Rorschach-Test systematisch gelehrt wird.

Das Kuratorium der Gesellschaft für Persönlichkeitsdiagnostik (ÖRORG) vertritt dagegen die Ansicht, dass meta-analytische Prüfungen zeigen, dass der Rorschach adäquate psychometrische Eigenschaften besitzt und nachweisbar über ein Maß an Reliabilität und Validität verfügt, wie andere allgemein anerkannte Testinstrumente, die zur Untersuchung von Persönlichkeit und Psychopathologie eingesetzt werden und dass sein verantwortungsvoller Gebrauch in der Persönlichkeitsdiagnostik weiterhin gerechtfertigt ist.

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Behind the scenesBearbeiten

Geniale Lösung: Vermutlich um die Anwendungsfähigkeit des Rorschach-Tests nicht zu beeinträchtigen und um einen potenziellen Konflikt mit Verfechtern der Methode zu vermeiden, haben die Filmemacher auf die Präsentation von „echten“ Rorschach-Testtafeln im Film verzichtet, aber trotzdem originale Rorschachtafeln verwendet (frühe Entwurfsexemplare der Klecksbilder, die Hermann Rorschach nicht für die endgültige Version des Tests verwendete).